Gerüche, Geräusche, Reminiszenzen

1999 Das Kratzen der Stifte auf dem Papier, das hinter hohen Blenden auf den Holzpulten des Instituts für Kunstgeschichte lagert. Das Hüsteln der Seniorenstudenten, wenn sie den Professor diskret darauf aufmerksam machen wollen, dass sie auf eine seiner seltenen Fragen an das Auditorium eine Antwort wissen. 2001 Das Klimpern der Münzen in der blechernen Handkasse, […]

Dona Rosa singt

In Portugal gibt es noch viele Blinde. Besonders in den Städten, wo sie sich durch die U-Bahnwagen tasten und betteln. „Fecho os olhos para ver melhor“, singt Dona Rosa. „Ich schließe die Augen, um besser zu sehen.“ Ihre Stimme ist dunkel und rau und lässt auf ihr beachtliches Körpervolumen schließen. Sie hat gelernt zu singen, […]

Einsame Schuhe Nr. 2 – Abschied

Ein Abschied lässt sich nicht erzwingen. Das ist so: Man hat sich schon verabschiedet, einmal, zweimal, da merkt man, dass man noch immer aneinander hängt. Man schneidet das Band durch, schneidet und schneidet, aber es geht nicht, es ist zu stark. Dann geht man, verschwindet aus dem Blickfeld, ist schon wer weiß wie weit weg, […]

Notizen aus Budapest

August 2011. Mittwoch. Frühstück im Partypark. Als ich gestern Abend hier entlang ging, tobte die Jugend. Heute klebt der Boden vom Alkohol. Scherben liegen herum. Skater trainieren ihre Tricks und fluchen, wenn sie nicht gelingen. Ein dicker, bärtiger Mann mit Videokamera setzt sich neben mich und stellt mir eine Frage, die Kamera auf mich richtend. […]

Schweigen

Was passiert da gerade? Wenn in mir plötzlich dieses ewige Geplapper aufhört? Wenn innen und außen die Stille regiert? Die Stille kann nicht anders als regieren. Auch wenn es täglich so klingt, als ob sie längst ihr Amt abgegeben hätte. Nein. Die Wahrheit ist, sie hat das Zepter noch fest in der Hand. Da setze […]

Einsame Schuhe Nr. 1 – Rom

Wir waren da. Wir waren dabei! Wir waren… ach, wo wir überall waren! Die ganze Stadt sind wir abgewandert, hierhin und dorthin getreten, an die Gehsteigkanten gestoßen, haben Steinchen über die Piazze gekickt und den Staub unter den Sohlen zerdrückt. Sentimental hört sich das an. Jaja. Tag für Tag hinaus auf die Straßen, die Treppen […]

Regenpause

Es ist schon fast dunkel, ich bin zu früh dran. Man kann hier nur bergauf gehen, um sich die Zeit zu vertreiben. Die Stadt liegt zwischen Fluss und Berg, es ist ein Salzberg, in den schon die Kelten ihre Stollen getrieben haben. Die Stadthäuser werden nach unten hin breiter, sie stehen da wie wuchtige alte […]